Leserbrief an die Butzbacher SPD

12. Oktober 2018

Sehr geehrte Frau Dick-Wenzel,
Ihr jüngster Leserbrief stellt für mich eine unverschämte Entgleisung dar, wie sie sich auch in einem Bürgermeisterwahlkampf nicht gehört. Die Verzweiflung in den Reihen der SPD muss schon sehr groß sein, wenn Sie sich zu solchen Äußerungen hinreißen lassen.
Hätten Sie und Ihre Parteifreunde die Pressemitteilung der CDU aufmerksam gelesen, so wüssten Sie auch, dass von einer geschlossenen „Befürwortung“ des Kirchengrundstückes durch die FDP keine Rede sein kann. Es handelt sich bei dieser Frage, wie es selbst Ihr eigener Bürgermeisterkandidat Merle festgestellt hat, letztlich um eine Gewissensfrage, die jeder unserer Stadtverordneten für sich beantworten muss.
Zur Erinnerung sei Ihnen jedoch mit auf den Weg gegeben, dass bei allen Diskussionen über das Grundstück nicht in Vergessenheit geraten werden darf, dass der Bürgermeister die zeitliche Verzögerung und die Enttäuschung seitens der Kirch-Gönser Wehr mitzuverantworten hat. Schließlich gab Bürgermeister Merle in der Vergangenheit stets vollmundige Versprechungen in Richtung Feuerwehr (wie er es derzeit anderen Akteuren gegenüber auch wieder tut), die er nun nicht vollumfänglich halten kann bzw. möchte. Mir erschließt sich auch nicht, weshalb das Einholen von Versicherungsangeboten eine so lange Zeit in Anspruch nehmen kann. Wenn Sie schon den Vergleich zu einem privaten Vertrag ziehen, frage ich Sie, ob Sie schon einmal privat ein halbes Jahr auf Versicherungsangebote warten mussten?
Den Gipfel der Entgleisung stellt allerdings Ihre Unterstellung hinsichtlich eines hauptamtlichen Stadtrates dar. Immerhin zeigen Sie hiermit der Butzbacher Bevölkerung klar und deutlich, welche Denk- und Arbeitsweise bei den Butzbacher Sozialdemokraten vorherrscht: Will man Sie zum Umdenken bewegen, braucht es also einen lukrativen Posten. Das ist gut zu wissen, denn wenn demnächst eine politische Partei die Zustimmung der SPD benötigt, gilt es also nur ein neues Pöstchen – wie vielleicht den EVB–Geschäftsführer – einzurichten, um Sie zum Umdenken zu bewegen?
Ich kann Sie jedenfalls beruhigen: Den Butzbacher Liberalen wurde nichts in Aussicht gestellt und wir werden auch weiter sachorientierte Politik zum Wohle unserer Stadt machen. Die Butzbacher Liberalen und mich persönlich können die Bürgerinnen und Bürger beim Wort nehmen – schließlich war meine Aussage vor der Wahl und auch jetzt: „Gemeinwohl vor Parteiinteressen“.

Oliver Löhr
Fraktionsvorsitzender der FDP Butzbach